direkt zum Seiteninhalt
Goldbroiler: High-Power-Modellrakete | BBQ-Rockets
Zurück zu Netzwerk & Projekte

Team BBQ-Rockets · Daniel Hahn

Gold statt Gelb.Broiler statt Goblin.

Der Goldbroiler ist ein vollständig selbst konstruiertes High-Power-Modellraketenprojekt: rund 2,40 Meter Technik aus CAD, 3D-Druck, Faserverbund, Elektronik und einer Idee, die tatsächlich bei einem Bier ihren Namen bekam.

Status: im Bau vollständiger Eigenbau Erstflug in Vorbereitung
Goldfarbene Modellrakete Goldbroiler von Team BBQ-Rockets
Goldbroiler · Entwurf vor dem Erstflug

Was hier abhebt

Kein Militärprojekt. Ein fliegendes Stück Naturwissenschaft.

Modellraketenbau verbindet Physik, Chemie, Mathematik und Fertigung so direkt, dass jede Annahme am fertigen Modell sichtbar wird.

Schwerpunkt und Druckpunkt entscheiden über die Flugstabilität. Die Schubkurve muss zur Masse passen. Bauteile müssen beschleunigen, bremsen, trennen und am Fallschirm zurückkehren können. Noch bevor das Modell den Startplatz sieht, werden Geometrie, Motorisierung und Flugverlauf im Rechner simuliert.

Geflogen werden Raumfahrt- und Phantasiemodelle bei organisierten Modellraketen-Flugtagen. Technische Kontrolle, Startleitung, geeignete Flächen und festgelegte Abläufe gehören genauso dazu wie die Rakete selbst. Darum geht es bei BBQ-Rockets: um zivile Luftfahrt, handwerkliche Neugier und die Freude daran, eine Rechnung irgendwann fliegen zu sehen.

Zwischen Rechner und Werkbank

Vier Disziplinen, ein Modell.

Ein High-Power-Projekt entsteht nicht aus einem einzelnen guten Einfall. Es wächst aus vielen Entscheidungen, die sich gegenseitig beeinflussen.

01

Konstruktion

CAD-Modell, Bauraum, Schwerpunkt, Druckpunkt und eine Geometrie, die nicht nur gut aussieht.

02

Werkstoffe

Sehr leichter 3D-Druck als Form und Kern, ergänzt durch GFK und Kunstharz für die Belastbarkeit.

03

Flugphysik

Schub, Masse, Luftwiderstand und Stabilitätsreserve werden vor dem Erstflug simuliert.

04

Elektronik

Flugdaten, Ortung und eine zweistufige Bergung mit voneinander unabhängigen Systemen.

Konstruktionszeichnung des selbst entwickelten Goldbroilers mit Rumpf, Spitze und Leitwerken

Vom Vorbild zum Unikat

Die Form war der Anfang. Alles andere entstand neu.

Die bekannte Goblin 4″ lieferte die gestalterische Idee: eine kurze, kräftige Silhouette und große Leitwerke. Der Goldbroiler ist jedoch kein hochskalierter Bausatz. Seine Abmessungen, inneren Strukturen, Verbindungen und Baugruppen wurden für dieses Modell neu konstruiert.

Gedruckt wird mit ASA Lightweight. Das Material schäumt während des Drucks auf und ermöglicht große, sehr leichte Bauteile. Anschließend werden die Oberflächen mit Glasfaser und Kunstharz aufgebaut und überarbeitet. So wird aus dem leichten Druckkörper eine Verbundstruktur, die die beim Start und bei der Bergung auftretenden Kräfte aufnehmen kann.

Von der ersten CAD-Linie bis zur letzten Verschraubung entsteht der Goldbroiler in Eigenarbeit. Das kostet Zeit. Es erlaubt aber auch, jede Baugruppe zu verstehen und Änderungen nicht nur einzubauen, sondern begründen zu können.

Warum der Name? Gold statt Goblin-Gelb, Broiler statt Hochglanz-Pathos – und ein Bier zur richtigen Zeit.

Projektstand

Technische Daten – vorläufig, bis der Broiler fertig ist.

Der Goldbroiler hat noch keinen Erstflug absolviert. Masse, Geschwindigkeit, Höhe und Beschleunigung werden nach Fertigstellung und mit der endgültigen Motorwahl neu berechnet.

Länge
ca. 2.400 mm
Durchmesser
228,6 mm
Bauweise
ASA-LW, 3D-gedruckt und mit GFK verstärkt
Startmasse
wird nach Fertigstellung ermittelt
Motorisierung
K-Klasse vorgesehen, konkreter Reload noch offen
Stabilität
derzeit ca. 1,8–1,9 Kaliber in der Simulation
Flughöhe
je nach Modellstand ca. 530–675 m simuliert
Geschwindigkeit
bis etwa 135 m/s simuliert

Bergung statt Einwegflug

Zwei Schirme. Zwei Rechner. Ein klarer Plan für den Rückweg.

Der Aufstieg dauert nur einen kurzen Moment. Die Elektronik muss danach erkennen, wann der höchste Punkt erreicht ist und wie die kontrollierte Rückkehr beginnt.

Primärsystem

Fluctus

Flugcomputer von Silicdyne für Bergung, Messdaten, Telemetrie und GPS-Ortung. Er bildet den technisch umfangreicheren Hauptweg.

Redundanz

Altimax

Ein eigenständiges zweites Altimetersystem von Rocketronics überwacht den Flug und kann die Bergung auslösen, falls der erste Weg nicht arbeitet.

Start und Messung

Die Elektronik erfasst Druck, Beschleunigung und Flugzustand. Die genaue Auswertung beginnt schon auf der Rampe.

Apogäum

Am höchsten Punkt wird der Drogue ausgelöst. Der kleine Bremsschirm stabilisiert den Abstieg, ohne das Modell weit abtreiben zu lassen.

Kontrollierter Abstieg

Der Goldbroiler sinkt zunächst zügiger. Beide Elektronikwege beobachten unabhängig den weiteren Flugverlauf.

Hauptschirm

In einer vorgegebenen niedrigeren Höhe öffnet sich der große Fallschirm und reduziert die Sinkgeschwindigkeit für die Landung.

Ortung und Auswertung

GPS und Flugdaten helfen beim Wiederfinden und zeigen, wie gut Simulation und realer Flug später zusammenpassen.

Antrieb in der K-Klasse

Die Leistung steht fest. Der konkrete Motor noch nicht.

Die bisherige Konstruktion und Simulation bewegt sich in der K-Klasse. Als Referenz diente unter anderem ein CTI/Cesaroni K940 White Thunder. Welcher zugelassene Reload den Goldbroiler beim Erstflug tatsächlich antreibt, hängt jedoch von endgültiger Startmasse, Flugtag und Verfügbarkeit ab.

High-Power-Feststoffmotoren bestehen häufig aus einem wiederverwendbaren Gehäuse und einem dazu passenden Reload. Hersteller wie AeroTech und CTI lösen dieses Prinzip konstruktiv unterschiedlich. Entscheidend ist deshalb nicht nur der Buchstabe auf dem Motor, sondern die vollständige Schubkurve: Wie viel Schub liegt beim Verlassen der Rampe an, wie lange brennt der Motor und welche Belastung entsteht im Modell?

Genau deshalb bleibt die finale Motorentscheidung offen, bis der Goldbroiler fertig gewogen und das Flugmodell mit den realen Daten erneut simuliert ist.

Technische Schnittgrafik einer wiederverwendbaren AeroTech-RMS-Motorhardware als Beispiel für den Aufbau eines High-Power-Raketenmotors
Technischer Hinweis: Die Grafik zeigt beispielhaft AeroTech-RMS-Hardware. Sie veranschaulicht das Prinzip eines wiederverwendbaren Motorgehäuses, nicht die bereits festgelegte Motorisierung des Goldbroilers.
Daniel Hahn von Team BBQ-Rockets vor einer Holzwand mit BBQ-Rockets-Zeichen

Daniel Hahn · BBQ-Rockets

Warum baut ein Ver­sicherungs­makler eine High-Power-Modellrakete?

Weil Interesse nicht am Büroschild endet. Mich faszinieren Systeme, deren Einzelteile nur dann funktionieren, wenn man ihre Wechselwirkungen versteht. Beim Goldbroiler reicht das vom aufschäumenden Druckmaterial bis zur Schubkurve, vom Schwerpunkt bis zum zweiten Bergungscomputer.

Beruflich beschäftige ich mich häufig mit Unternehmen, Maschinen, besonderen Fahrzeugen, Drohnen und Luftfahrtrisiken. Das macht Raketenmodellbau nicht zu Versicherungsberatung – und umgekehrt. Aber die Denkweise ist vertraut: Annahmen hinterfragen, technische Zusammenhänge verstehen und Reserven dort vorsehen, wo ein einzelner Fehler nicht das ganze System bestimmen soll.

BBQ-Rockets ist dabei kein künstlich erfundenes Team. Es ist der Name für ein persönliches Projekt, das irgendwann bei einem Bier begann und inzwischen deutlich mehr CAD-Stunden als Grillabende gesammelt hat.

„Wenn eine Idee rechnen, drucken, schleifen und verglasen übersteht, darf sie irgendwann auch auf die Startrampe.“ Daniel Hahn

Flugtage, Wissen und Austausch

Modellraketen entstehen in der Werkstatt. Geflogen werden sie in einer Community.

Wer tiefer in Konstruktion, Flugtage und die zivile Modellraketen-Szene einsteigen möchte, findet bei diesen Anlaufstellen belastbare Informationen und viele reale Projekte.

BBQ-Rockets · Ein Projekt von Daniel Hahn

Der Erstflug kommt erst, wenn Bau und Simulation dieselbe Sprache sprechen.

Bis dahin bleibt der Goldbroiler das, was ein guter Eigenbau sein sollte: nicht fertig behauptet, sondern Schritt für Schritt fertig gemacht.

Zurück zu Netzwerk & Projekte